Y adjoutans quelques menasses oder Die Kannibalen

 

Nun ist er mit zufriedenem Gesicht durch den Gang zu seiner Bibliothek gegangen. Die Berichte liegen ihm vor, vor ihm, Michel Eyquem. Sein Großvater nannte sich noch so, Eyquem, wann war das gewesen, damals in Bordeaux, an der  Gironde? In Rouen hingegen, im Gefolge Karls IX., trifft der Enkel, aus Amerika herübergekommene Indianer, seine Kannibalen. Er berichtet von der Unterhaltung mit ihnen, und von der Dummheit seines Dolmetschers, der seine Fragen nicht versteht.

Welches erstaunt sie am meisten? Von dreien eins: daß die Armen die Reichen hier in der prächtigen Stadt nicht erschlagen und den Reichtum unter sich verteilen.

Würden sie zu seinem Sitz, auf sein Weingut, kommen?

 

Woher hat er deren Lieder, ein Liebeslied und das Lied eines Kriegers, die er aufgeschrieben hat, wer hat sie ihm übersetzt? Woher hat er seine Informationen über die Neue Welt und über sein eigenes Land?

Die zugänglichen Schriften und Zeugnisse sind beschafft. Wir zum Beispiel lesen über die Stadtguerilla, lesen von Carlos Marighella und dann vom „Platz der 3 Kulturen“, Zocalo-Platz genannt (das war ’68); die von den Grenaderos eingenommene Universität.

Wir sagen: die Bullen und ihre Ordnung. Oder die Verfolgungen, die auf der Tagesordnung  stehen, heute schon und in naher Zukunft und schon tägliche Hysterie: die Testfragen zu unserer eigenen Person, die Untersuchung der grundgesetzmäßigen Gesinnung. Das Berufsverbot, wenn du daneben liegst. Das Wort Berufsverbot, das sich bereits in andere Sprachen eingenistet hat.

Über dem weiten Platz, dem größten Europas, weht eine Fahne. Eine Fahne, an die wir uns erinnern. Die Liste der gefangenen Demonstranten wird erstellt, die Liste der Toten, der Zu-Tote-Gekommenen wird nicht vervollständigt. Wer würde sich dafür interessieren? Wer würde sie wissen wollen, so wie sie auf den Grabsteinen zu lesen sind, ihre Namen?

Und wie ist das so geworden? Wie sind wir nach so vielen Anstrengungen, nach so vielen Kämpfen, dahinein geraten? Wo ist unsere Aufklärung, das Zeitalter des Lichts, der Lichter, wie es in der Sprache Montaignes heißen wird, die Lichter, die uns aus dem Dunkel führen können?

So ist es geschehen:

Mit der goldenen, der schimmernden Haut, mit den Arquebusen sind sie gekommen. Am Helm der Helmbusch, Reiter hinter Reiter, die neuartigen Rösser, die neuartigen Räder, Schwerter, Krankheiten – so sind sie gekommen. Im Auftrag ihres Königs, genauso wie des Präsidenten der Vereinigten Staaten, so sind sie gekommen. Eine neue Religion, ein neuer Herrscher, großzügig, große Gesten, und haben nach Gold verlangt, eine kleine Menge. Wenn das Gold angehäuft wird, wenn es gewogen wird, wenn es abtransportiert wird zur Bekräftigung des Verlangens und der Vorschläge einige Drohungen dazu: y adjoutans quelques menasses.

Elitetruppen, Spezialeinheiten, Kerntruppen – mußte nicht Pyrrhus, ein Grieche, eingestehen, dies sind keine Barbaren, die eine solche Schlachtordnung aufzustellen in der Lage waren!?

Dies sind keine Barbaren, die mit solchem Mut zu kämpfen in der Lage sind[1]. Die von Kanälen durchzogene Stadt mit dem Gold, gesammelt zur Ehre der Götter, nicht der Menschen. Fliegen setzen sich auf das Blut der Opfer, heruntergestürzt von den Tempeln. Mitten in den Blumen und den Gerüchen war es weder widerlich noch schrecklich, – aber es geht hier um die persönliche Karriere der Eroberer, ehemals Schweinehirten, ehemals Kriminelle oder Mörder. Es genügt, dies Gold zu finden, zu sammeln und es sich anzueignen.

Von den Bergen herunter kommen sie. Denken Sie nur an die unglaubliche Konstruktion der königlichen Straße von Cuzco nach Quito und in die entlegenen Provinzen.

Da war Musik und Wind wehte auf den Spitzen der Tempel. Weißes, rotes Baumwollband. In den Urwäldern, an dem Zaumzeug, an den Hüten.

Eine kleine wärmende Sonne.

In großer Würde steigt der König die Treppen hinab zu seiner goldenen Pflanzensammlung unter den Augen der vor der Stadt lagernden Weißen, den Eindringlingen.

Der Zug der Bewaffneten und der Kampf. Gefangene Krieger, die später gegessen werden, sie sind nicht feige, sondern verhöhnen die Sieger und fordern sie heraus. Der Älteste ermahnt die Jüngeren: „Güte gegenüber den Frauen, Mut gegenüber den Feinden!“

 

Ein Mann sitzt in seinem Arbeitszimmer, er will sich eingeschlossen, will sich abgeschieden für die Stunden seines Vergnügens, für seine „Loisirs“. Das Klima hier im Südwesten ist sehr mild, im Winter wird ein Feuer im Kamin angezündet, das reicht durchaus, unten ist der Hausaltar zu finden, in der er Sonntags betet. Vielleicht auch jeden Tag, bevor er hochsteigt zu seinem Zimmer. Da ist auch die Wiese zu sehen und das leicht gewellte Tal.

Wieder wendet er sich seinen Erinnerungen zu und schreibt über ein Todesurteil, das vollstreckt wurde, obwohl ein anderer bei einer zweiten Gerichtskammer der Tat überführt worden war, denn die Entschlossenheit des Gerichts muß bewiesen werden, immer wieder.

Der Bürger der Ewigen Stadt Rom beugt sich über seine Papiere, über seine Dokumente, über das Manuskript seines gestorbenen Freundes, so vervollständigt er Jahr um Jahr seine Essais, in dem Buch, das später das „exemplaire de Bordeaux“ genannt werden wird, um seine Notizen fortzuführen, um weitere Anmerkungen seinen Anmerkungen hinzuzufügen.

Nach der Lektüre dieser tausend Seiten in der französischen Ausgabe sitzt der Montaigne-Leser, der hier schreibt, über seinem eigenen Papier, seinem schwarzen Notizbuch, sitzt über seinen eigenen Essais, seinen eigenen Vergleichen und der Betrachtung der Welt: seine blinden Stellen, dort, wo er nicht begreifen will, was geschieht. Das ganze abendländische Land ist da, ausgebreitet seine Geschichte, die Kriege, die Eroberungen, die immer wiederholten Niederlagen der Menschlichkeit: das Abendland, durchleuchtet mit Montaignes Augen, untersucht mit seinen Argumenten : das Hin und Wider, die Unentschiedenheit der Urteile, die Ungewißheit des Schicksals.

Nicht nur das Warum, sondern auch das einfache Wie, wie ist es geschehen, das interessiert ihn, denn die Beweggründe der Menschen sind vielfältig und widersprüchlich.

Die Spanier haben den Stillen Ozean, das Kleine Meer, als Erste gesehen. Sie haben diesen  Namen gegeben. Diejenigen jedoch, die dort lebten, die den eigenen Namen gefunden hatten, haben nicht einmal den Namen überliefern können in unsere Geschichte. Denn es gibt nur eins: das Gold, der Pfeffer, das Kupfer, das Silber, die Kohle, das Erdöl, die Erze, das Schwere Wasser, die Arbeitskraft der Sklaven, das Glacis, das Vorfeld Amerikas, das Vorfeld Rußlands, Chinas, Frankreichs, Deutschlands, um sich einen kleinen Vorteil zu verschaffen, des einen gegen den anderen und immer weiter so.

Damals bereits gab es das politische Kidnapping, noch nicht so ausgestaltet wie in unseren Tagen, damals mit den über das Meer herbeigeschafften Pferden, Kastiliens Stolz. Heute geschieht das mit Helikoptern oder anderen Geräten, wie heißt das in der neuen Weltsprache, nach Coca-Cola-Manier – „airborne“ durch die Luft getragen?

Da ist das Goldvermögen des Königs von Peru, der zum Hochverräter wird, weil er sich wehrt, weil er sich befreien wollte mit seinen Getreuen, weil es so leichter war, um an seinen Schatz zu kommen: Hochverräter, der nach der Zahlung des Lösegeldes von dreimillioneneinhunderttausendfünfhundert Unzen Gold,  wie es in den vorliegenden Berichten steht, erdrosselt und nicht verbrannt wurde; er hatte sich noch taufen lassen und so war er kein Ketzer mehr.

In den Nachrichtensystemen der Inkas wird berichtet: der König wird mit Pomp und großer Zeremonie bestattet.

 

In den Rapporten selbst, in den überbliebenen Dokumenten, rühmen sich die Eroberer ihrer großartigen Taten: vier- oder sechshundert Menschen auf einem Scheiterhaufen, des Glaubens wegen. Da weht kein Wind in die Nasen der befreundeten Nationen, erst nach langer Zeit kommt der Geruch herüber. Was ist zu tun? Die Kanäle der eroberten Stadt sind verstopft mit den Leichen und unter den toten Menschenmassen nur wenige Soldaten in Eisen. Das ist der Vorteil des Mächtigeren, ist die Überlegenheit des Fremden, der neuen Waffen.

In den Gräben, in den Gräbern bei den Dörfern, am Rande des Urwalds, in der Rodung vor der Stadt, in den Häuserpassagen, überall auf der Erde. Der König von Kastilien besitzt so viel Feingefühl, – oder ist es sein Ehrgefühl? – die verantwortlichen Kommandanten am Ort ihrer Taten hinrichten zu lassen, und der amerikanische Präsident besitzt so viel Feingefühl, den Helden der Nation in leichten Hausarrest zu nehmen, ob seiner Massaker.

Schon früher ist der Niedergang, sind die „déclinaisons“ des Abendlandes spürbar, sichtbar. Später der Aufstand der Hugenotten in den Cevennen (Abraham Mazel, Jean Cavalier), und da sind noch viele andere Oster-Aufstände, immer wieder, immer wieder: die Unterdrückung der je anderen Ideen.

Doch selbst bei genauester Beobachtung aller Erscheinungen sind Widersprüche und Irrtümer unvermeidlich.

„Sie seien friedliche Leute, von weit her gereist, vom König von Kastilien geschickt, dem größten Fürsten der bewohnten Welt, dem der Papst, Stellvertreter Gottes auf Erden, die Herrschaft über dieses Indien verliehen habe; und würden sie, die Eingeborenen, dem König von Kastilien Tribut zahlen, dann würden sie sehr wohlwollend behandelt werden; und sie würden von ihnen, den Eingeborenen, Nahrung verlangen und Gold für medizinische Bedürfnisse; und sie berichteten ihnen von dem Glauben an einen einzigen Gott und von der Wahrheit unserer Religion, die sie ihnen anzunehmen rieten – und fügten dem einige Drohungen hinzu.“

 

Y adjoutans quelques menasses

 

Sagen wir heute, eingebunden in die notwendige Vorsicht, die Nürnberger Richter und die Ankläger (im Hintergrund an der Wand wohl die Fahne der Freiheit) kämpfen seit Jahren mit Entschlossenheit und unter großen Opfern für die Freiheit – mit anderen Worten für ihre Freiheit, während schon die Berichte durchgesickert sind von den neuen Scheiterhaufen -„Ich habe 24 Gooks umgelegt“ – oder von den geheimen Gefängnissen, ja sogar von den bekannten Gefängnissen, den rechtlosen Gefangenen und den ausgeklügelten Foltermethoden.

Der buntgekleidete König von Mexiko, der letzte König von Mexiko, der mit seinem Höfling in der Folter war – bald würden sie ihn aufhängen, doch das gesamte Gold ist unauffindbar. Geröstet und geschlagen.

 

In dem runden Zimmer mit den Zitaten auf den Deckenbalken, damit er sie immer vor Augen habe. Einige von ihnen sind falsch, doch das stört nicht: uns liegen so viele Berichte vor von den letzten unglaublichen Blutbädern aus der ganzen bewohnten Welt; es ist leicht geworden, sie zu sammeln und auszuwerten.

Der Häuptling der Eingeborenen, in Rouen von Montaignes Dolmetscher befragt, wird von dreitausend Männern gefolgt. Die Wege werden ihm aufgeschlagen, das ist alles, was man ihm gewährt. Er darf als Erster angreifen. Mehr Wahnsinn und Rausch, wenn sie aufeinander anrennen, als gezieltes Vorgehen.

Vom Aufgang der Sonne bis zum Untergang: mein Reich! Auf den Tempelspitzen der Mayas, der Inkas und der anderen Völker. Wie tote Vögel, am Strand, nur sie wissen es nicht und wir hier sehen es. Niemand schließt die Augen, das Fernsehen berichtet von den Erschießungen, den Überfällen, in Echtzeit, wie es nun heißt; das Theater setzt die Aufführung fort, die Zeitung liefert Bilder, die wöchentlichen Zählungen der Toten und der großartigen Siege.

Montaigne läßt sein Haus immer offen. Ist dies die bessere Lösung?

Wir kennen jetzt die letzten Zuckungen der neuesten Erschossenen. Die berühmte Têt-Offensive, der Polizeichef Saigons, der einen Vietcong-Kämpfer vor laufender Kamera erschießt. Die letzten Opfer werden vorgezeigt, in dieser Gesellschaft des Schauspiels, des Spektakels. Die Opfer, auf den Bildschirmen, nicht schwerer als Fliegen.

Die Männer unter dem goldenen Stuhl des Königs von Peru in ihrer letzten Schlacht. Wo einer fällt, steht ein anderer auf und tritt an die Stelle. Der Spruch von der Blutsaat: sie geht sofort auf. Wo unter dem königlichen Stuhl ein Träger fehlt, steht ein neuer bereit, bis ein Reiter kommt und den König herunterschlägt von der Sänfte.

In unserer unmittelbaren Nachbarschaft geschieht Ähnliches. Die Unterschiede sind nur augenscheinlich und nicht wesentlich. Täglich werden die Mystifikationen vor uns dichter, wie ein Nebel, unser Urwald, in dem wir stecken und keinen Überblick gewinnen können: die originalen, die authentischen Reportagen vom Platze sind dennoch mehr und feiner behandelt, als du es dir vorstellen, als du es dir ausmalen kannst. Das ist nur eine Frage des Metiers und der Routine derer, die damit beauftragt sind.

 

Ist Herr Montaigne noch wach heute? Oder ist er schon zu Bett? Denkt er an seine ehelichen Pflichten, oder ist es schon zu spät dafür?

Montaigne hat seinen Fernsehabend beendet. Er hat genügend Material gesammelt. All das ist noch zugänglich. Ich selbst füge soundsoviele weiße Blätter an, für weitere Notizen, für weitere Bemerkungen, so viele, wie Sie wollen, wieviel du willst! Mit eigenen Beobachtungen ergänzen, vervollständigen, mit eigenen Überlegungen die Widersprüche und die Unstimmigkeiten benennen. Für mich selbst und für die nachfolgenden Leser.

In jedem Buch ist genügend Platz dafür. In jeder Bildzeile des Fernsehens. Wir sitzen Falschmeldungen auf. Wir möchten die eigenen Meldungen erzeugen, gegen das System, das uns beobachtet, belauscht, registriert, das uns beherrschen will, das gegen uns und unsere Freiheit der Entscheidung gerichtet ist. Montaigne befragt seine drei Eingeborenen, er ist vorsichtig und ungläubig.

Michel de Montaigne geht vom Fernseher zurück in seine Bibliothek und macht weitere Bemerkungen dazu.

 

„Tant de villes rasées – So viele Städte dem Erdboden gleichgemacht, so viele Millionen Menschen hingemordet, so viele Völker ausgerottet, die reichste und schönste Gegend der Welt verwüstet – und all das für den Handel mit Perlen und Pfeffer!“[2]

 

 

 

 

 

E.S., Ostern 2014

Randnotizen:

 

Mein Essay ist Teil des Buches „Theräß“, das den Untertitel „Briefe in deutscher Sprache geschrieben aus dem europäischen Abendland“ trägt. Es wurde zwischen 1971 und 1972 verfaßt und 1982 publiziert. (Aus dieser Zeit stammen die Bezüge zu damals aktuellen Ereignissen). Ein Fenster in das europäische Abendland wurde mir durch Montaigne und seinen Zitaten der antiken Autoren eröffnet.

 

Ich schreibe wieder neben den Essays daher, parallel, fast so wie Montaigne selbst, mit hin- und herlaufenden Gedanken, die alten Notizen durch neue Anmerkungen ergänzend. Ich konnte die Essays einst in seiner Sprache lesen, einem altertümlichen Französisch mit ungewohnter Orthographie, unbekannten Formen und Wörtern. Wie klang das Gascognische, seine Mundart? Hören wir einen Montaigne, wenn wir einem Südfranzosen zuhören?

 

Ich habe einige Wochen in der Nähe von Montaignes Schloß verbracht. Südliches Licht, das dort scheint, das von den Mauern der Manoirs, der Schlösser und der einfachen Häuser strahlt.

 

Josephine Baker lebte in der Gegend, mit ihrer großen Kinderschar.

 

In der Nähe liegt Lascaux, aber weder das Schloß Montaigne noch die Höhle habe ich aus eigener Dummheit besucht, obwohl es mir angeboten worden war.

 

Der Essay „Über die Kannibalen“ (oder: „Über die Menschfresser“, [Des Cannibales]) ist der 31. Essay in Band 1.

Der Essay „Über die Sänften“ (oder „Über Wagen“, [Des Coches]) ist der 6. Essay in Band 3.
Die Zitate stammen aus der Ausgabe der Essays in der Übersetzung von Hans Stilett, Frankfurt/M. 1998; Die andere Bibliothek.

Der Text verwendet Motive von:

– Georges Bataille: L’Amérique disparue (Erstveröffentlichung: 1928)

– Robert Gardner: Tote Vögel [Dead Birds] (Fernsehfilm über das Dani-Volk, 1965)

– Alfred Métraux: Rencontre avec les ethnologues (Critique 1963)

– Mexiko-Dossier, PROP, Salzburg, 1970

 

[1] „Wir können die Menschenfresser also nach Maßgabe der Vernunftregeln durchaus Barbaren nennen, nicht aber nach Maßgabe unseres eigenen Verhaltens, da wir sie in jeder Art von Barbarei übertreffen. Unter ihnen ist jedenfalls nie einer auf den abartigen Gedanken verfallen, Verrat, Treulosigkeit, Tyrannei und sinnlose Grausamkeit zu rechtfertigen – Laster, die bei uns doch gang und gäbe sind. Ihre Kämpfe zeichnen sich vielmehr durch Edelmut und Selbstlosigkeit aus, und wenn am Krieg, dieser Krankheit des Menschengeschlechts, überhaupt etwas schön und entschuldbar sein kann, so findet es sich bei ihnen: Sie haben keinen anderen Beweggrund hierfür als das Verlangen, ihre Tapferkeit zu beweisen. Ihre Streitigkeiten gelten nicht der Eroberung neuer Ländereien, denn das Füllhorn der Natur beschenkt sie so reichlich, daß sie ohne Arbeit und Mühe mit allem Notwendigen versorgt sind und gar kein Interesse daran haben, ihre Grenzen zu erweitern. Sie sind noch in der glücklichen Verfassung, nur so viel zu begehren, wie ihre natürlichen Bedürfnisse erfordern – alles, was hierüber hinausgeht, scheint ihnen überflüssig.“ [S. 113]

[2] S. 457 in der Ausgabe von 1998.

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