Das Erbe Europas

April  2007

Lieber Kurt Gläser!

Den Fortschritt begleiten wir mit Untersuchungen, den Fortschritt bestärken wir durch unsere Forschung, die Teilnahme an internationalen Kongressen und den Publikationen in renommierten Zeitschriften. Oder manchmal nur, indem wir unsere Ideen in Briefen mitteilen. Heutzutage sind es nicht einmal Briefe auf Papier, sie sind elektronisch und ephemär.

Wir beziehen uns zurück auf unsere Geschichte und lesen mit Aufmerksamkeit die Berichte, von den Expeditionen, unglücklichen Reisen oder den Entdeckungen. Wir studieren die auf uns gekommenen Karten – und verwundern uns. Ein kleiner Schritt, ein Vorrücken auf einem bestimmten Terrain, das uns fremd ist. Die Geschichte auch der wissenschaftlichen Entwicklungen, auch diejenigen, die durch zufällige Begegnungen ausgelöst wurden. Die Feldforschung etwa der Sprachwissenschaftler, der Strukturalismus der Ethnologen: eine Idee aus einem fremden Bereich übernehmen, erneut versuchen, anderswo anwenden.

Das Kartenwerk, der Atlas des Ortelius.

All das, gesammelt und verzeichnet, registriert, aufbewahrt in den Schachteln und Dosen, in den Blättern, in den Listen – der Schiffsbesatzungen, der Teilnehmer einer Expedition, der Begegnungen -.

Ist das ein Hymnus an die Archive? An das Aufbewahren und Katalogisieren?

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Können die Künstler, sagen wir: die Maler, können sie eine neue vorher unsichtbare Welt erfinden? Können die Schriftsteller uns sagen, was gewesen ist, was werden wird in der Zukunft? Können Töne erzeugt werden, können Farben gemalt werden, die es vorher noch nie gegeben hat?

Kann es sein, daß wir Menschen treffen, die all dies wissen, oder sind es Konstellationen irgendeiner Art, die uns die Augen öffnen? Plötzlich sehen wir etwas, was niemand vorher sehen konnte.

Ich hole nun einige Notizen hervor, aus den vielen geschriebenen, beiseite gelegten; hier ist eine dieser Mitteilungen, Überlegungen, das Hin- und Her-Bewegen der Gedanken, damals geschrieben in Brüssel.

E.

Das Abbild oder das Erbe Europas

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Kurt Gläser ist Mitarbeiter der Europäischen Kommission 

und überzeugter Europäer
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