Das Abbild oder das Erbe Europas

Bewahren wir die Welt in einem Buch – Atlas, der erste vielleicht des Abraham Ortelius? Heben wir sie auf, in unseren neuen Deponien, machen sie sichtbar, erreichbar? Kaufen wir weiterhin die russischen Filme, wandeln sie um, untersuchen wir die Farben und lesen wir die alten Bücher, die Berichte und Erfahrungen, die niedergeschrieben sind, wie diese hier.

Die Wirkung der Übermalung, der Überlagerung, die Schattierungen und die Auflösung der Oberfläche, die Abfolge, Aufeinanderfolge, die manipulierbare Abbildung der Bilder, die Annotationen, wessen Anmerkungen und mit welchem Wahrheitsgehalt… die nicht-eigentliche Welt, das Abbild. Das Bild vom Abbild!

Sehen wir die Dinge, die Karten, die Weltreisen, die Berichte von der Erforschung der Welt, Stück für Stück zusammengetragen in einem Heft. Von der Analogie zu der distinktiven Unterscheidung des Einen von dem Anderen: die Zergliederung. Das Auseinandergenommene, das Surrogat, der Auszug aus einem Ganzen. Greifbar gemacht. Die Sonne hingegen geht über den Dächern unter, auf dem Pflaster spiegelt sich das Licht, der Regen ist da, die Gespräche werden im Gehen fortgesetzt.

„Wohnt hier der König? – Ja, hier wohnt der König! – Was macht er heute abend? – Er überlegt sich, was er morgen wohl machen wird.“

In Kreisläufen leben wir. Von Zeit zu Zeit rechnen wir die Tage aus, die Sekunden. Die Jahrhunderte ziehen vorüber, werden mit Geräten untersucht. Manchmal stehen Sekunden wieder auf, Tagesabläufe, die Zeit zu zählen, in Einzelteile zerlegen. Dann treffen wir zusammen in den Büros, um den technischen Fortschritt zu besprechen. Manchmal machen wir uns glauben, wir würden ihn bestimmen. Darüber lachen wir und sagen: „Das ist brillant“ und bedienen uns der englischen Sprache.
Gibt es einen Konsens? Ich gebe dir dies und du gibst mir das! Ist das genug? Ist das die Entscheidung? Jemand sagt: „Ich bin ein Techniker“. Beiläufig erwähnen wir die Armut der Dichter, nennen uns die Namen der Künstler, die künstliche Welt. Dann gehen wir hinaus und lösen uns auf.

Am nächsten Morgen beginnen wir neu. Es hat wieder zu regnen begonnen, das sind wir gewohnt. Die Entscheidungen werden vorangetrieben. Verständigung in knapppen Worten über unbegreifbare Dinge, ein neues Gerät zur Vermessung der Farbtiefe von Bildern, von Veränderungen in der Zeit, zur Vermessung der Welt. Sind die Filme noch zu retten? Ist das Erbe Europas vorhanden? Gibt es die versteckten Archive, die abgeschlossenen Bereiche, Kammern, die Schränke, Schachteln, während das Papier sich aufzulösen beginnt? Was ist zu tun? Halten wir Schritt, sind wir schneller als der Zerfall, kommen wir dem endgültigen Verlust zuvor? Sind wir diesen Fragen gewachsen, sehen wir die Geschehnisse voraus?

Am Abend und spät in der Nacht reden wir über Männer, Frauen, über Parks, und die Parkbänke, auf denen wir gesessen sind, ziehen vorüber. Du holst ein Stück, ein einziges Stück Erinnerung hervor und zeigst es den anderen, die darauf antworten mit lachenden Gesichtern. Abbildungen sind zu sehen. An den Namen hälst du dich am liebsten auf.

Dann gehen wir auseinander, in einer anderen Stunde treffen wir uns wieder: sind die Farben der Bilder wiederherzustellen? Mit welchem Gewinn, mit welchem Ziel? Sind die Fotografien verloren? Was lagert in den Registraturen? Können wir die einzelnen Dinge so zusammenfügen, daß sie eine neue Welt erzeugen, oder fällt sie auseinander? Was ist wichtiger? Gibt es für dich eine virtuelle Welt? Was denn sagen die Fernsehbilder, die dich zeigen können? Sind es Dokumente? Kennst du die Qualität der Dokumente im Augenblick ihrer Entstehung?

Wann haben wir die Arbeit beendet? Sind die Dokumente wichtiger als die Erinnerung an die Ereignisse? Gibt es eine Ethik des Aufbewahrens?  Wirst du diesem Anspruch gerecht?

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