Bergehalden

18.8.2009

Lieber Peter!

Wir können die Fotografien der Bergehalden um die einzelnen Monate gruppieren. Wir können sie nach der Jahreszeit organisieren. Wir können all die Techniken anwenden, die je für ein fotografisches Objekt angewendet worden ist…

Da ist beispielsweise der Holländer Jan Dibbets, der sein Objekt zu unterschiedlichen Zeiten aufgenommen und in Serie gebracht hat. Waren es Tages- oder Jahreszeiten – ich weiß es nicht mehr. Vielleicht waren es die Gezeiten, die die Intervalle der Aufnahmen bestimmten und aus dem statischen Bild eine Bewegung entstehen ließen.

Wir können auch eine Serie à la John Hilliard machen, wenn sich der Gipfel der Bergehalde im Wasser des nahegelegen Weihers spiegelt und der Betrachter des Fotos eigentlich nicht recht weiß, was ist tatsächlich das Objekt und was ist Spiegelung. Was ist Objekt der Spiegelung und was ist Spiegelung allein?

Wir können diese Ideen weitertreiben und die gemalten Bilder, auf denen Bergehalden zufällig zu sehen sind, dazu verwenden, um parallel zum gemalten Bild zu fotografieren. Die alte Frage, ist die Fotografie in der Lage zu „malen“? Der Fotograf ein Maler?

Doch gibt es wohl kaum Gemälde oder Zeichnungen, die dieses unspektakuläre Ding zum Gegenstand haben. Ich erinnere mich nur an die Bilder von Zolnhofer, auf denen die Industrie-Landschaft zu sehen ist, und die Menschen, die Arbeiter, darinnen.

Oder wir besuchen nach und nach jede einzelne der noch auffindbaren, der kaum noch sichtbaren und der manchmal deutlich in der Landschaft sichtbaren Halden und dokumentieren den heutigen Stand, so wie es die Bechers mit ihren Industriedenkmälern getan haben. Aus der Strenge der Konstruktion eines Förderturmes entsteht eine besondere Ästhetik, die vor ihnen nicht wahrgenommen worden ist.

Aber vielleicht willst du vor jedem dieser Objekte warten, wie du vor jedem Motiv deiner Fotos wartest, willst um sie herumgehen, um das richtige Licht und die richtige Perspektive zu finden. Jeder einzelne Gegenstand, und auch jede der Bergehalden, hat ein nur für sie bestimmtes Licht, das auf sich warten läßt und nur hie und da sich zeigt.

Vielleicht nicht an diesem Tag, vielleicht nicht in diesem Monat, nicht in diesem Jahr.

Dann ist es dieser ferne Augenblick, der festgehalten wird, für alle, die ihn fassen können, die aus einem unscheinbaren Gegenstand herauslesen können, daß es unsere Landschaft ist, die von den Menschen genauso geschaffen worden ist, (vielleicht von unseren eigenen Vorfahren), nicht mit dem Ziel, eine Halde aufzuwerfen, sondern als Nebensächlichkeit, als Abfall.

Halden, ein Zeichen der vollbrachten Arbeit, einer jahrhundertelangen Anstrengung und Mühsal, die sich in Natur verwandelt hat.

E.

Peter Baus, Fotograf, lebt in der Nähe von St. Wendel und dort,
wo das Licht ihn hinlockt, zum Beispiel auf die griechischen 
Inseln oder in die Provence.
Ich möchte, daß er die saarländischen Bergehalden, jetzt zum Ende
des Bergbaus, in einer großen Serie fotografiert.

Eine Antwort to “Bergehalden”

  1. stegentritt Says:

    Es gibt Freunde, die keine Spuren im Internet hinterlassen möchten. Deshalb will ich hier einige ergänzende Anmerkungen (von diesen Freunden) hier anfügen:
    „Was unbedingt berücksichtigt wewrden sollte:
    – Die Vollständige Anzahl aller Berghalden

    – Nicht alle in großer Darstellungs-Form sondern die meisten rein dokumentarisch und im kleinen Format als Raster

    – Die großen und beeindruckenden Halden Gebirgsähnlich zu designen

    – Die Erkenntnis dass Berghalden radioaktive Strahlung haben

    – Die Erkenntnis dass Berghalden vorhandene Natur zerstört hat (wie bei Vulkanen wenn die Lava ausströmt – daher Vesuv und Fudjijama Illusion)

    – Die Bepflanzung, die eine Halde nahezu völlig verschwinden läßt

    – Und der industrielle Charakter der mit Natur nichts zu tun hat“

    E.


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